DEMOLITION MODE
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Mit ihrer zweiten Ausstellung unterstützt die Galerie Hermann Breker den Frieden im Nahen Osten. Das gilt nicht für alle Akteure in Kassel. Die Waffenschmiede Kraus-Maffei Wegmann will 270 Panzer des Typs „Leopard 2A7+“ nach Saudi-Arabien liefern, was das „Zentrum für Politische Schönheit“ mit der Internet-Kampagne „25.000 Euro“ zu verhindern trachtet: Solche Panzer eignen sich gut, um Unruhen in Straßenkämpfen niederzuschlagen.

 

Da schmiedet die Galerie doch friedlichere Pläne: Die Einladungs-Karte zieren 19 messing-glänzende Kaffee-Kannen, die bei einem Kamelrennen im Staub auf durstige Kehlen warten. Kurator Malte Urbschat hat den Schnappschuss im Familien-Fotoalbum gefunden: Vater Helmut Urbschat knipste die Szene 1978 in Saudi-Arabien.

 

Ein Künstler pro Kaffee-Kanne

 

Die Kaffee-Kannen geben das Format vor – pro Exemplar hat Malte Urbschat jeweils einen Künstler eingeladen. In alphabetischer Reihenfolge: Olaf Bastigkeit, Michael Conrads, Sebastian Dacey, Sibylla Dumke, Max Frisinger, Hella Gerlach, Volker Hueller, Internationale Surplace, Kanta Kimura, Melody LaVerne Bettencourt, Sally Lewis, Trevor Lloyd, Timo Roter, Yps Roth, Marco P. Schaefer, Dennis Scholl, Roman Schramm, Malte Urbschat und Sebastian Zarius.

 

Manche Künstler steuerten mehrere Werke bei, so dass in der Galerie nun 26 Exponate zu bewundern sind. Stilistisch eine bunte Mischung; die verwendeten Techniken reichen von der klassisch-filigranen Bleistift-Zeichnung von Dennis Scholl bis zur raumgreifenden Skulptur „All we need is heat“ von Max Frisinger – einer neunteiligen Installation aus objets trouvés: verschrotteten Heizungs-Körpern.

 

Druck-Platte mit Einschuss-Löchern

 

Explizit politisch geben sich nur „Internationale Surplace“ mit ihrer Foto-Montage „Obama, you are not our son anymore“: Darauf recken Marie Rotkopf und Daniel Megerle ihre behandschuhten Fäuste wie weiland die Black Panther bei der Olympiade 1968 in Mexiko.

 

Eine subtilen Hinweis auf Gewalt-Einwirkung präsentiert Olaf Bastigkeit mit einer Arbeit aus seiner Serie „B.G.“: In einer geschliffenen Druck-Platte sind Einschuss-Löcher zu erkennen. Mir persönlich gefällt die Textil-Collage „Congo Gold“ von Sally Lewis am besten: eine wandhohe Patchwork-Decke aus farbenfroh glänzenden Stoff-Bahnen. Die ebenfalls eine polit-ökonomische Anspielung enthalten mögen – der Metallerz-Abbau im Kongo ist keine friedliche Angelegenheit. Guckt es Euch selbst an – hier sind Impressionen der Ausstellung zu sehen:

 

Veröffentlicht am: 24.06.2012