DEMOLITION MODE
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„Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Revolver“ – so lautet ein unsterbliches Bonmot von Hermann Göring. Er musste es wissen: Der Hitler-Intimus und NS-Reichsluftfahrt-Minister raffte im Dritten Reich die größte private Kunst-Sammlung zusammen. Natürlich aus Raub-Kunst, wie es sich für einen tuntigen Ober-Nazi geziemt.

 

Beim Nachnamen Breker horchen Kunst-Freunde auf: Arno Breker war der Hof-Bildhauer des Gröfaz und seiner Getreuen. Er belieferte sie mit überlebensgroßen Helden-Büsten und –Statuen: muskelbepackte blonde Bestien, teutonisch ungeschlacht in Marmor gehauen und Bronze gegossen.

 

Start mit zwei Kunst-Anfängern

 

Der Galerie Hermann Breker NS-Nähe zu unterstellen, nur weil ihr Vor- dem von Göring und ihr Nachname dem von Arno gleicht, wäre allerdings verfehlt. Sie ist schlicht nach ihrem Galeristen benannt, der in Hamburg-Hammerbrook die Galerie Oel-Früh betreibt. Gleichzeitig mit der documenta eröffnet er in unserer nordhessischen Metropole eine Dependance in der Schillerstraße 30.

 

Zum Start zeigt die Galerie das Ausstellungs-Debüt (hier als Bewegt-Bilder) zweier junger Künstler: Felix Amerbacher und Lukas Oehmigen studieren noch an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Gemeinsam ist ihnen die blank polierte Glatze, ansonsten unterscheiden sich ihre Formensprachen radikal.

 

Panzerglas und Plastik-Maschinengewehre

 

Der 25-jährige Amerbacher arbeitet mit objets trouvés wie Panzerglas, Stelen aus Stahl und fotografierten Situationen, die er mit konzeptuellen Eingriffen einem Bedeutungswandel unterzieht. Der ein Jahr ältere Oehmigen schafft mit selbst angefertigten 3-D-Plottern Skulpturen aus künstlichen Materialien: etwa Styropor-Abgüsse von sumerischen Reliefs oder Plastik-Kopien von Maschinen-Gewehren.

 

Veröffentlicht: 09.06.2012