DEMOLITION MODE
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Zum Ritual jeder documenta gehört, dass der „künstlerische Leiter“ sich bis kurz vor Beginn nicht in die Karten gucken lässt – um dann mit Aplomb sein Blatt aufzudecken: Alles wird diesmal ganz anders! Für Carolyne Christov-Bakargiev (CCB) ist das nicht einfach: Spektakel hatten wir schon (Jan Hoet, doc 9), Gender-Theorie auch (Catherine David, doc 10), Dritte Welt (Okwui Enwezor, doc 11) ebenso wie Globalisierung der Kunstformen (Roger M. Buergel, doc 12). Da bleibt für Hunde-Freundin CCB nur die Wunderwelt der Tiere und Pflanzen übrig.

 

Die baggert CCB jetzt schwungvoll an und auf. Im Hochglanz-Journal „Andy Warhol’s Interview“, bislang nicht als Kunst-Organ aufgefallen, erklärt sie in Ausgabe Mai/2012 zwischen Mode- und Parfüm-Reklame, ihre documenta sei „eine Ausstellung für menschliche und nicht menschliche Tiere. Wir sind auch Tiere! Sie richtet sich auch noch an andere Teilnehmer, an Pflanzen oder an Felsen.“

 

Erdbeeren an die Macht

 

In der SZ von gestern legt CCB nach: „Die Frage“ sei, „wie eine Erdbeere ihre politische Intention vorbringen kann. Ich will Tiere und Pflanzen nicht schützen, sondern emanzipieren.“ Erdbeeren an die Macht – auch wenn ihr Wauwau die verschmäht und Vegetariern überlässt. Sein Frauchen ficht das nicht an, denn jedem Tierchen sein Pläsierchen: „Die kulturelle Produktion der Tomatenpflanze ist die Tomate.“

 

Und die kulturelle Produktion von Darcy – so heißt ihr wuscheliger Liebling – ist folglich, was hinten rauskommt. Damit kann man schön abstrakte Grafiken hinschmieren, wie jeder Bürgersteig beweist. Zuviel Beschäftigung mit solcher kultureller Produktion dürfte CCB aber nicht nur übel in die Nase stechen, sondern auch auf sie abgefärbt haben.

 

Veröffentlicht am: 01.06.2012

Kot-Erdbeere oder Köterbeere - in jedem Fall: Die Königin der Erdbeere

Koterdbeere oder Köterbeere - in jedem Fall: Die Königin der Erdbeere