DEMOLITION MODE
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Mit der documenta ändert sich schlagartig das Stadtbild: Anstelle von kreischenden Teenies und in Zeitlupe zuckelnden Rentnern, die sonst die Innenstadt praktisch für sich haben, bevölkern die Bürgersteige plötzlich mehr oder weniger graumelierte Herrschaften zwischen 30 und 50 – in den besten Jahren, wie man so schön sagt.

 

Man erkennt sie an prall gefüllten Papiertüten, in denen sie Kataloge herumschleppen, ihrer oft weltläufig eleganten Erscheinung und irrlichternden Blicken, mit denen sie nach irgendeiner Installation suchen, die in der Handwerkskammer oder dem Hugenotten-Haus ausgestellt wird: „Kän ju täll mi pliiiiees wär ße Ügänottn-`aus is?“, fragen sie flehentlich.

 

Rieseln des Knochen-Mehls

 

Doch der Kultur-Mensch lebt nicht von Kunst allein – er will sich auch mal amüsieren. Das Bürgerstolz-Festival hat vorgesorgt: mit der „Nachschwung Rost“-Party am Freitagabend für alle Tekkno-Aficionados über 30. Hier kommen sie gratis rein, nachdem sie fast ihr ganzes Reisebudget für Tickets an der documenta-Kasse und Bildbände in Buchhandlungen ausgegeben haben.

 

Das DJ-Set rekrutiert sich aus bewährten Veteranen der legendären „Aufschwung Ost“-Nächte im früheren „Stammheim“ und aufstrebenden Nachwuchs-Kräften. Gemeinsam geben sie der Generation Silver Dancer Zunder: Im ARM rasselten zu schweren Beats die morschen Glieder, dass man förmlich das Knochen-Mehl zu Boden rieseln hörte. Bzw. gehört hätte, wäre es nicht so infernalisch laut zugegangen.

 

Mehr Gesamtkunstwerk als karger documenta-Kram

 

In der Galerie kamen Freunde experimentellerer Klänge auf ihre Kosten: Fortgeschrittenes Multitrack-Mixing und ausgefeilte psychedelische Licht-Effekte sorgten für ein alle Sinne ansprechendes Gesamtkunstwerk. Bunter, verständlicher und genussreicher als der karge Kram, der die meisten documenta-Ausstellungsorte füllt.

 

Hier sehr ihr Impressionen der Auftritte von C’est Clerc, Soma Load, Le Chris und Friday:

 

Veröffentlicht am: 16.06.2012